Schwangerschaft

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Informationen für werdende Mütter und Mutti´s mit Kleinkindern

"Jedes Kind einen Zahn" ... diese alte Volksweisheit geistert noch heute durch die Köpfe vieler werdender Mütter, obwohl vom rein zahnmedizinischen Standpunkt aus nichts dran ist. Der für das ungeborene Kind benötigte Kalk wird mit Sicherheit nicht den Zähnen entnommen, da diese nur noch ganz gering am Kalkstoffwechsel des Körpers beteiligt sind.

Die hormonelle Veränderung am Beginn der Schwangerschaft bewirkt eine Auflockerung der Mundraumgewebe. Das Zahnfleisch kann anschwellen und die schädigenden Bakterienstoffwechselprodukte können so diesen Schutzwall des Körpers leichter passieren.

Ein vermehrtes Zahnfleischbluten ist die Folge, die Zähne werden aus Angst vor weiterem Bluten weniger geputzt, es siedelt sich vermehrt Plaque (Zahnbelag) an. Die Grundlagen für Karies und Zahnfleischerkrankungen sind geschaffen.

Bei Frauen mit Parodontitis (Zahnfleischentzündung) ist das Risiko, ein untergewichtiges Kind zu gebären um das Siebenfache erhöht. Durch die chronische Zahnfleischentzündung gelangen Substanzen in die Blutbahn, die vorzeitig Wehen auslösen können.

Zusätzlich ist die werdende Mutter in den ersten Wochen von Übelkeit befallen. Eine gründliche Zahnreinigung wird als unangenehm empfunden. Wiederholtes Erbrechen greift ebenfalls den Zahnschmelz an (Magensäure).

Tips bei starkem Brechreiz:
  • Die Zähne nicht gleich nach einem Erbrechen putzen (Zahnschmelz ist durch die Magensäure aufgeweicht), lieber Mund mit lauwarmen Wasser o. einer fluoridhaltigen Spülung ausspülen.
  • Nie auf nüchternen Magen putzen, erst eine Kleinigkeit essen.
  • Zahnbürste mit kleinstem Bürstenkopf verwenden (Kinderzahnbürste).
  • Chlorhexidin-Präparat nur nach Absprache mit dem Zahnarzt zur Mundspülung verwenden, Achtung keine Daueranwendung möglich!
  • Ein Zahnarztbesuch sollte alle 2 - 3 Monate erfolgen, um rechtzeitig vorzubeugen. Die richtige Ernährung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor in der Schwangerschaft.
  • so wenig wie möglich zuckerhaltige Lebensmittel
  • viel ballaststoff- und kohlenhydratreiche Kost (Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln u. Reis)
  • ausreichende Zufuhr von Eisen, Jod und Kalzium
  • Leber, Tatar und rohe Eier sind wegen möglicher Krankheitserreger tabu !
  • Kräftiges und langes Kauen massiert das Zahnfleisch und drängt Entzündungen zurück.
  • Vitaminreiche Kost, besonders Vitamin A ( in Fenchel, Grünkohl, Karotten, Spinat) auch Vitamin C (in schwarzen Johannisbeeren, Orangen, Zitronen u. Paprika) werden in der Schwangerschaft für die Zahnbildung des Ungeborenen benötigt und bieten der Mutter Schutz.
  • Es empfiehlt sich während der Schwangerschaft die tägliche Einnahme von ca. 1mg Natriumfluorid und eine Zufuhr von Kalzium (in Milch und deren Produkten).

Wenn die ersten Zähnchen durchgebrochen sind, sollte auch beim Stillen mit einer vorsichtigen Mundpflege begonnen werden. Muttermilch ist sehr zuckerhaltig und kann bei sehr häufigem Stillen ohne Reinigung der ersten Milchzähne tiefe Karies verursachen. Eine Zahnbürste ist in diesem Alter noch ungeeignet - die Milchzähnchen vorsichtig mit einem Wattestäbchen abwischen. Die Hauptreinigungsfunktion hat aber in diesem Alter die mechanische Selbstreinigung, wie etwa beim Abbeißen oder Kauen von fester, zuckerfreier Nahrung (harte Brotrinde oder ein kleines Möhrenstückchen).

Woher kommen die "Kariesbakterien" des Kleinkindes?

Diese Schädlinge sind nicht von Geburt an in der Mundhöhle zu finden, sie werden vielmehr durch infizierte Bezugspersonen übertragen. Vom Löffel, Schnuller oder Kuß erfolgt die Infektion des Kleinkindes. Durch Speicheltests läßt sich feststellen, ob die Mutter einen hohen Anteil an diesen schädlichen Keimen hat, und es können entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Kariesanfällige Personen im Haushalt sollten den Schnuller oder die Eßwerkzeuge des Babys nicht in den Mund nehmen.

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Viele Babys beruhigt es, wenn sie etwas zum Nuckeln und Trinken haben. Nuckelflaschen sollten generell nicht zum Dauernuckeln eingesetzt werden, da selbst Wasser oder ungesüßte Tees die schützende Funktion des Speichels verringern. Sonst können die Milchzähnchen bald so aussehen:

Zerstörte Zähne bedeuten auch Schmerzen, der dadurch erste Kontakt mit einer Zahnarztpraxis wird zeitlebens in schlechter Erinnerung bleiben!

Die Ursache sind zu stark zuckerhaltige Getränke, Obst- und Vitaminsäfte oder noch schlimmer: die Honigschnuller.

Mit Sicherheit hat eine vorzeitige Zerstörung des Milchgebisses Spätfolgen: durch den frühzeitigen Verlust der Milchzähne wird das Kieferwachstum gehemmt, es ist später zu wenig Platz für die bleibenden Zähne, welche schon teilweise ausgebildet unter den Milchzähnen im Kiefer liegen.

Ab dem 3. Lebensjahr kann Lutschen und Nuckeln eine bleibende Verformung des Kiefers zur Folge haben, welche meist durch eine aufwendige kieferorthopädische Regulierung später wieder behoben werden kann. DasTragen einer Regulierung ist mit einem erheblichen psychischen und finanziellen Aufwand verbunden. Hinzu kommen durch den Offenen Biß ( siehe Abb.) bedingte Sprach- und kosmetische Probleme.

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Ab dem 2. Lebensjahr sollte konsequent mit einem schrittweisen Abgewöhnen der kleinkindhaften Angewohnheit begonnen werden!

Je nach körperlicher und geistiger Entwicklung, sollte das Kind mit ca. 2 Jahren 2mal täglich spielerisch zum Zähneputzen angehalten werden. Eine große Rolle spielt in diesem Alter das Vertrautwerden mit den neuen Dingen. Auch später ist eine Kontrolle und Beobachtung des Putzens nötig, damit sich nicht falsche Techniken einschleichen. Generell sollte von einem Elternteil bis zum 12ten Lebensjahr "nachgeputzt" werden. Zum Putzen sollte nur eine kleine Pastenmenge (Kinderzahnpasta ) verwendet werden (Erbsengröße). Erwachsenenzahnbürsten sind für Kinder von ihrer Form und Borstenhärte her denkbar ungeeignet. Eine gute Kinderzahnbürste sollte einen kompakten, rutschfesten Handgriff und ein kleines Borstenfeld aus Kunststoffborsten haben. Gut bewährt haben sich auch elektrische Kinderzahnbürsten, da sie zum einen die noch fehlenden Bewegungsabläufe kompensieren, zum anderen der natürliche Spieltrieb zum Putzen anregt wird. Zum Gebrauch einer elektrischen Zahnbürsten sollten Sie sich in einer Zahnarztpraxis beraten lassen.

Den größten Einfluß auf die Motivation zum Putzen haben Bezugspersonen. So wie sich viele Kleinkinder von ihren Eltern Verhaltensweisen "abgucken", ist es auch beim Zähneputzen.

Ebenfalls im Alter von etwa 2 Jahren sollte der erste Zahnarztbesuch erfolgen und dann in regelmäßigen Abständen beibehalten werden. So lernt das Kleinkind eine Zahnarztpraxis kennen, ohne daß in seinem Mund schon gebohrt oder gezogen wird - ihm also "weh getan" - werden muß.

Bringen Sie Ihr Kleinkind zu Ihrem Zahnarzt-Kontrollterminen mit. Es lernt auf diese Weise, daß der Untersuchungstermin beim Zahnarzt etwas Normales ist und es lernt gleichzeitig die ungewohnte Umgebung näher kennen. Bereiten Sie Ihr Kind schon zu Hause auf den Zahnarztbesuch vor und hüten Sie sich vor Drohungen wie "Wenn Du nicht brav bist..."

Besucht Ihr Kind einen Kindergarten, sollte Wert darauf gelegt werden, daß von den Erzieherinnen ebenfalls das Zähneputzen in der Gruppe geübt wird.

Zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr (Wechselgebiß) brechen die ersten bleibenden Zähne durch. Dann heißt es, besonders gut auf die Zahnpflege zu achten, denn diese Kauwerkzeuge werden ein Leben lang gebraucht und tragen erheblich zum Aussehen bei!